07-08-2021

NFT
Musikindustrie

NFT - Die Liberalisierung der Musikindustrie!?

NFT - Die Revolution des Musikmarktes?

Als ich die August-Ausgabe des XLR8R-Magazins erhalten habe, kam die Ausgabe mit dem Hinweis, dass Abonnementen exklusiv einen Anspruch auf einen „NFT“ haben. XLR8R ist eins der ältesten noch bestehenden Magazine für elektronische Musik und Kultur in den USA. 1993 gegründet und seit 2011 nur noch in digitaler Form erhältlich, ist das in San Franzisko ansässige Magazin immer noch wegweisend im elektronischen Musikbereich. Aber was sind nun diese NFTs?

NFT steht für „Non-Fungible Token“ und ist vereinfacht gesagt eine Art digitales Echtheitszertifikat, was mit dem Trägermedium (jede Art von digitaler Datei) verbunden werden kann und aufgrund der Blockchain-basierten Verschlüsselungstechnik, nahezu fälschungssicher ist. Und nun eben ein solches Echtheitszertifikat bekommt jetzt jedes Abonnement für die jeweilige Ausgabe des XLR8R-Magazins. Aber die Frage bleibt, was soll ich damit anfangen?

Ganz groß sind NFTs seit einigen Jahren im digitalen Kunstsektor, wo für „Meme“-Bilder teilweise Millionen-Beträge gezahlt werden. Anders als bei klassischen bildenden Künsten wie Malerei, Bildhauerei oder Installationen, wo es vom Kunstwerk nur ein einziges Original-Exemplar gibt, können digitale Kunstwerke beliebig oft reproduziert, also kopiert werden. Wieso gibt man dann so viel Geld für derartige Kunst aus? Genau, weil man eben ein einzigartiges Echtheitszertifikat vom Ersteller in Form eines NFT bekommt. Genau wie im klassischen Kunstmarkt, gibt es eben immer Leute, die für bestimmte Sachen viel Geld ausgeben können und wollen. So haben sich schon diverse digitale Marktplätze für NFT-gestützte digitale Kunstwerke etabliert. Die NFTs werden dann wie Bitcoin im Internet gehandelt und können auch im Wert immer weiter steigen. Das interessante dabei ist, dass eigentlich das Echtheitszertifikat Gegenstand der Begierde ist und nicht das Kunstobjekt selbst. Denn das Kunstobjekt kann beliebig oft reproduziert werden. Hier könnte man sich schon Gedanken machen, ob das nicht eigentlich die Kunstform an sich diskreditiert und lediglich eine Kommerzialisierung der Kunst in Form eines Ausverkaufs stattfindet.

Doch wenn man die Möglichkeiten die NFT bieten weiter auslotet, so könnten NFTs zur Liberalisierung der Musikindustrie führen. Mit dem Einzug der digitalen Musikdatei in Form von MP3 oder anderen Datenformaten, haben physische Musikdatenträger wie Vinyl, CDs oder Kassetten weitgehend ihren kommerziellen Einfluss verloren. Abgesehen von immer mal wieder steigenden Vinyl-Verkäufen und der Nostalgie-Faktor bei Kassetten, so werden doch Streaming-Plattformen und Online-Verkaufsportale für den durchschnittlichen Musikkonsumenten immer wichtiger. Durch die geringen Produktionskosten einer digitalen Musikdatei, kann im Grunde genommen jeder Musikproduzent sein. Doch um wirklich die Möglichkeit zu haben kommerziell erfolgreich zu sein, muss diese Musik auf den entsprechenden Online-Plattformen gelistet sein. Je mehr Musik dort gelistet ist, um so mehr Umsätze werden auch generiert. Nutznießer ist aber eben nicht der Künstler, da dieser nur minimale Magen vom Plattformbetreiber erhält. Vielmehr verdient in erster Linie der Plattformbetreiber an seinen Abonnement-Modellen. Gerade bei großen Streamingplattformen bekommt der Künstler aufgrund des Abonnementmodels nur einen kleinen Anteil von den Einnahmen auf der Plattform. Je nach dem, wie oft der jeweilige Titel gestreamt wird. Eine Alternative dazu bietet die 2008 gegründete Plattform Bandcamp. Dort können Musikproduzenten ihre Musik direkt zum Kunden verkaufen. Man kauft also direkt vom Künstler oder Label. Zwar fällt auch hier eine Art Vermittlungsgebühr für Bandcamp an, doch spart sich der Künstler einen Zwischenhändler. Das Geld kommt direkt beim Künstler/Label an. Im April 2021 hatte nun auch das XLR8R-Magazin einen Marketplace für NFT-basierte Musik ins Leben gerufen und zeigt wieder einmal wie nah dieses Magazin am Puls der Zeit ist.

Verbindet man nur NFTs mit einer direkten Verkaufsplattform wie Bandcamp, könnte eine Liberalisierung des Musikmarktes entstehen. Z.B. könnte ein digitales Album, was mit einem NFT versehen ist, anschließend den Käufer dazu berechtigten weitere kostenlosen Titel vom Künstler zu erhalten oder auf spezielle Konzerte des Künstlers zu gehen. Natürlich könnte man auch eine derartige Berechtigung über Kaufnachweise (z.B. Rechnung) von anderen Plattformen erlangen. Doch dann sind wieder andere Unternehmen dazwischen, die ihren Beitrag erhalten wollen. Mit NFTs, die der Künstler jederzeit selbst generieren kann, hält er diese Berechtigungsvergabe in den eigenen Händen und kann sie z.B. auch nur bestimmten Personen zuspielen. Weitergedacht, wäre es evtl. auch möglich, dass Abspielvorrichtungen für digitale Musikdaten (mp3-Player, usw.) in Zukunft nur noch Dateien abspielen, die NFT-zertifiziert sind. Eine Reproduzierung des Musiktitels wäre zwar grds. noch möglich, aber wo soll dann die Musik abgespielt werden. Auch kommt die Erinnerung an ehemalige Versuche CDs kopiergeschützt auf den Markt zu bringen und es nicht lange auf sich warten ließ bis die ersten Hacking-Programme für diese Kopierschutz-Vorrichtungen gab. Da aber NFTs auf der Blockchain-Technologie basieren, ist es eher unwahrscheinlich, dass diese Technologie in naher Zukunft geknackt werden kann, so jedenfalls das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnick (BSI).

NiCa

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